Indischer Taxifahrer

Krank, Verletzt, ein Notfall? Bei uns gar kein Problem, sofort gelangt man bei uns an eine Medizinische Versorgung und schnelle Hilfe. In Indien ist das aber anders. Viele Menschen in Indien haben Angst Menschen in einer Notsituation zu helfen, da sie ansteckende Krankheiten befürchten. Krankenwägen gibt es dort sowieso viel zu wenige, darum ist man in einer solchen Situation meist auf ein Taxi angewiesen, das einen schnell ins Krankenhaus bringen könnte, doch die meisten Taxilenker verweigern kranken oder verletzten Menschen den einstieg ins Taxi.
Ein Problem das besonders in den Großstädten wie Mumbai herrscht, die Leute müssen sich selbst meist selbst helfen doch verfügen weder über die erforderlichen medizinischen Kenntnisse noch über die entsprechenden Mittel.

Nun nahm ein einzelner Taxifahrer dieses Problem in die Hand. Rajeev Kashyap gab seinen Job als Ingenieur auf um den Leuten zu helfen, die die Hilfe auch wirklich benötigen. Er fährt Fahrgäste, die sich in einer Notsituation befinden, auf schnellsten Wege ins Krankenhaus und das völlig kostenlos. Bis heute half er so über 500 kranken und verletzten Menschen. Er betreibt dieses Vorhaben aus freien Stücken und möchte den Menschen einfach helfen und Mumbai zu einer besseren Stadt machen.

Die Facebook-Seite „Humans of Bombay“ machte Rajeevs Story publik und innerhalb kürzester Zeit wurde diese viral und unzählige Menschen möchten den indischen Taxifahrer mit Herz nun unterstützen.

Facebook/Humans of Bombay

Seine Version der Story erfährt ihr hier:

„Meine Frau erlitt eine Fehlgeburt, als sie eines Nachts plötzlich mit Unterleibsschmerzen wach wurde. Zu dieser Nachtzeit hielt nicht ein einziges Taxi für uns an und dieser Umstand frustrierte mich furchtbar. Ich habe meine Karriere als Ingenieur bei Larsen und Toubro (sehr großes indisches Bauunternehmen) aufgegeben und fing an, Taxi zu fahren – kostenfrei für jeden, der in ein Krankenhaus muss. Ich verdiene 10.000 Rupien (etwa 130 €) im Monat mit normalen Fahrgästen. Doch mein Ziel ist es, denen zu helfen, die mich brauchen, zu jeder Stunde des Tages. Wer auch immer in meinem Taxi sitzt, bekommt meine Karte und kann mich bei Notfällen, selbst 3 Uhr morgens, anrufen und ich werde ihn zum Krankenhaus fahren.

Ein Vorfall, der mich antreibt, diesen Service weiter anzubieten, geschah einige Monate zuvor. Gegen 2 Uhr morgens sah ich 2 Männer verzweifelt nach einem Taxi winken. Ich hielt für sie an und sah, dass sie eine Frau bei sich hatten, deren Körper zu über 70 % verbrannt war. Viele Taxifahrer vor mir weigerten sich, sie deswegen mitzunehmen und das macht mein Herz krank. Ich gab ihnen eine Decke, die ich im Wagen verwahre, bat sie, die Frau zu bedecken und fuhr wie ein Wahnsinniger zum nächsten Krankenhaus. Die nächsten Tage besuchte ich die Frau täglich, um sicherzugehen, dass sie überlebt – und Gott sei dank tat sie es. Wir sind nun Freunde und sie dankt mir immer noch für diese Nacht.

Egal ob es wieder eine Flut oder Terroranschläge gibt, ich stelle immer sicher, die Orte, an denen ich gebraucht werde, erreichen zu können. Ich glaube daran, dass sich nicht alles um Geld dreht. In meinem alten Job habe ich 65.000 Rupien (rund 840 €) verdient, doch nie war ich glücklicher als heute.

Ich bin 74 Jahre alt, spreche 11 Sprachen, habe Kinder, die in Aktiengesellschaften und als Ingenieure arbeiten, doch das Glanzlicht meines Lebens ist, dass ich bis heute mehr als 500 Notfälle zum Krankenhaus fahren konnte. Deswegen, auch wenn man mich für immer nur einen Taxifahrer nennt, bin ich froh und akzeptiere es stolz.“